Ute, von wem haben Sie das Kartenlegen gelernt?
Von einer Zigeunerin, da war ich zwölf Jahre alt. In der Stadt, in der ich aufwuchs, gab es einen großen Platz, wo sich damals die Zigeuner aufhielten. Das fanden wir als Kinder natürlich aufregend und wir liefen immer dort hin. Es war interessant, die Zigeunerin brachte mir keine richtige Legetechnik oder sowas bei, sondern sie sagte mir ich solle unterscheiden was „kalte“ und „warme“ Karten sind. Das klingt komisch, aber es funktioniert.
Welches Kartendeck und welche Legeweise benutzen Sie beim Kartenlegen, und warum?
Ich benutze meine eigenen Karten, ein Pokerblatt. Diese Karten haben ihre Bedeutung. Man findet sie in keinem Buch. Somit verlasse ich mich auf das was die Karten sagen und auf meine Intuition, welche beim Kartenlegen sehr wichtig ist. Die Karten lege ich nach Lust und Laune. Zum Einen mache ich – wie jeder andere auch – das große Kartenbild mit 36 Karten, zum Anderen aber auch je nach Situation viele kleine Versionen.

Probieren Sie denn das Kartenlegen auch bei sich selber aus ?
Kennen Sie Radio Eriwan? „Können Männer sich paaren?“ – „Im Prinzip nein, aber sie versuchen es immer wieder“. So ist das, wenn ich mir selber die Karten legen will. Ich versuche es immer wieder, aber es klappt nicht. Wenn ich etwas über mich selber erfahren will, muss ich eine andere Kollegin anrufen.
Wenn jemand selber das Kartenlegen lernen möchte, wie sollte er vorgehen?
Ich würde grundsätzlich vorschlagen, alle Bücher aus der Hand zu legen, und sich Karten auszusuchen, die einem gefallen, oder sich eigene Karten zu machen. Dann sollte man das Kartenlegen beginnen und zuhören, was einem die Karten dazu sagen. Das mag jetzt ungewöhnlich klingen. Aber nehmen Sie sich ein Skatdeck und kaufen Sie sich zwei verschiedene Bücher dazu. Sie werden zu jeder Karte zwei verschiedene Auslegungen und Aussagen bekommen. Meine Meinung ist: Finger weg und selber ausprobieren.
Haben Sie selber schon mal einen besonders spannenden „Fall“ gehabt?
Eine Bekannte von mir war einmal in Urlaub und hatte dort einen Mann kennen gelernt, der ihr unheimlich gut gefiel. An ihrem letzten Urlaubstag wollten sich die beiden nochmal treffen, es kam aber was dazwischen, und so verpassten sie die Gelegenheit, ihre Adressen miteinander auszutauschen. Ich legte meiner Bekannten die Karten. In meinem Kartenbild tauchte der Mann jedoch eindeutig auf. Ich dachte „Wie soll die den bloß wiederfinden?“ und zweifelte bald an meinen Karten. Wir konnten beide nicht glauben, dass das stimmte. Etwas später fuhr ich mit der Bekannten nach Düsseldorf. Mitten in der Altstadt läuft uns dieser Mann vor die Nase – noch dazu ein Berliner, das war kein Zufall, sondern Schicksal und dem kann man nicht entgehen.
Ute, wir danken Ihnen für das Gespräch!