Die Charakterlegung – eine spezielle Form des Kartenlegens
Fragenbeispiel: „Wer ist Person „A“?“ (gelegt mit Crowley)
1.    Was „A“ repräsentiert (Ass Kelche)
2.    Was „A“ ebenfalls repräsentiert (Ass Stäbe)
3.    Was „A“ liebt (Der Magier)
4.    Was „A“ hasst (8 Stäbe: Schnelligkeit)
5.    Was „A“ fürchtet (8 Kelche: Trägheit)
6.    Was „A“ ersehnt (9 Schwerter: Grausamkeit)


Vorbemerkung: Diese Weise des Kartenlegens sollte nur einmalig oder im Abstand von mehreren Jahren auf denselben Menschen angewendet werden, denn sie gilt nicht nur über einen kurzen Zeitraum von ein paar Wochen oder Monaten. Vielmehr zeigt sich beim Kartenlegen, die Haupteigenschaften und Themen des Menschen auf, in eventuellen Folgelegungen dann die jeweilige Lebensphase, in der sich der Fragende gerade befindet.


Außer für das menschliche Wesen kann die Charakterlegung auch wirkungsvoll angewendet werden, um Erkenntnisse über bestimmte Lebensbereiche zu gewinnen. Die Fragestellung während des Kartenlegens wäre dann z.B. „Wie geht es mir im Beruf?“ oder „Wo stehe ich in Bezug auf Partnerschaft?“

Kartenlegen mit Charakter

Auf Personen bezogen hilft diese Besondere Art des Kartenlegens nicht nur, sich selbst oder vertraute Menschen besser zu verstehen, sondern auch neue Bekanntschaften besser einschätzen zu können. Schon nach dem ersten Treffen mit einem Menschen zeigt sie eine extrem hohe Treffsicherheit bzgl. dessen Anlagen und Problemen. Jedoch sollte diese Variante des Kartenlegens nie leichtfertig „nebenbei“ angewendet werden, sondern mit Ruhe und Konzentration. Ebenso sollte sie nicht auf Menschen angewendet werden, zu denen gar kein persönlicher Kontakt besteht – wie z.B. berühmte Filmschauspieler.

Langzeitvorhersagung durch Kartenlegen
Erstlegungen sind meist auch nach Jahren noch so aktuell wie zu ihrem Legezeitpunkt und können selbst noch nach längerer Zeit neue Erkenntnisse über das eigene Wesen liefern.
Wird diese Methode des Kartenlegens mit zeitlicher Begrenzung eingesetzt - also bezogen auf die jetzige Lebensphase einer Person - dann sollte sie erst dann erneut angewendet werden, wenn man das deutliche Gefühl hat, dass die in den letzten Karten aufgezeigte Phase nun tatsächlich abgeschlossen und etwas Neues dran ist.

Die Interpretation der Charakterlegung kann den Deuter vor unterschiedliche Herausforderungen des Kartenlegens stellen. Bei manchen, sehr klaren Persönlichkeiten, die mit sich und der Welt im Reinen sind, ist das Kartenlegen einfach: Alles liegt am richtigen Platz – z.B. die Sonne auf Position 2 oder eine eher schwierige Karte wie die 7 Scheiben/Fehlschlag auf Position 5. Schnell ergibt sich so ein schlüssiges Charakterbild. Doch die meisten Menschen sind verstrickt oder tragen irgendwelche Abgründe in sich. Diese zeigen sich dann, wenn während des Kartenlegens Karten auftauchen, zu denen der Fragende sich verweigert, oder Karten in den „falschen Positionen“: Zum Beispiel können auf „Was Person „A“ hasst oder fürchtet“ auch positive Karten liegen (wie etwa die 2 Kelche) und negative bei „Was „A“ liebt und ersehnt“ (z.B.: 5 Schwerter).
Beim Kartenlegen beziehen sich solche Karten immer auf die eigenen Schatten, das heißt, jene tief sitzenden, oft aus der Kindheit stammenden und meist unbewussten Verhaltensmuster und Verstrickungen, die fast jeder Mensch in sich trägt und die Einfluss auf die Gegenwart haben – je nach Stärke der Verstrickung wenig bis dominant.

So erfordert die Interpretation des Kartenlegens für den Fragenden vom Deuter großes Feingefühl für Wortwahl und Gespür darüber, welche der Informationen, die das Kartenbild hergibt, auch wirklich konstruktiv sind – und welche eher schädlich. Tarotanfänger sollten diese Art des Katenlegens weder für sich noch andere nutzen, solange sie noch keine große Deutungssicherheit und auch keinen erfahrenen Deuter zur Hand haben.

Kartenlegen Besispiel:

Ein 41-jährigen Musiker, der sich selber als „kompliziert“ bezeichnet und gerne mehr über sich herausfinden wollte, ließ sich so die Karten legen:

1 und 2): Was Ihn repräsentiert: Ass der Kelche und Ass der Stäbe

Position 1 und 2 stellen die grundlegenden Eigenschaften der Person dar. Ob die beiden Eigenschaften harmonisieren oder sich eher widersprechen und damit einen zentralen Konflikt im Wesen der Person (oder des Themas) offen legen, zeigt sich nach dem Kartenlegen mit der jeweiligen Deutung.

Dass sich hier gleich 2 Asse befinden, ist sehr ungewöhnlich. Sie zeigen das enorme Potenzial dieses Menschen, aber auch seine Spaltung: Wasser und Feuer, Passiv und Aktiv, Vertrauen und Kontrolle müssen sich in fast gleicher Gewichtung in seinem Wesen „miteinander arrangieren“, dies ist sein zentrales Thema.
Das Gefühl überwiegt ein wenig, denn das Kelch-Ass steht an erster Stelle. Er ist Gefühlsmensch, doch versteckt er dies häufig hinter dem Stab-Ass: Lieber hat er die Situation unter Kontrolle, so dass er sich bei der Gefahr einer Verletzung sofort wehren kann. Verletzung und Schmerz ist ein weiteres, wichtiges Thema in seinem Leben, wie die restlichen Karten zeigen. Die Tatsache, dass es sich um Asse – also die Anfangsenergien – handelt und die übrigen Karten eher an „falschen Positionen“ liegen, zeigt, dass er noch nicht in der Lage ist, die beiden Ass-Energien so für sich einzusetzen, dass er sein zweifellos großes Potenzial optimal nutzen kann.
So wird auch die Empfänglichkeit und Hingabe seines Wesens oft genug den Pioniergeist des Stab-Ass’ ausbremsen.

3) Was er liebt: Der Magier

Er beherrscht sein Handwerk, hat alle Voraussetzungen, alle Werkzeuge zur Hand und er geht gerne spielerisch damit um. Er liebt Kommunikation und weiß sie einzusetzen. Bewunderung von Außen ist ihm wichtig. Der Magier ist hier auch ein Hinweis auf seinen Beruf, denn als Musiker tingelt er von Auftritt zu Auftritt. Es ist sein Job, die Leute zu unterhalten, und er liebt es. Aber der Magier zeigt auch einen Machtmenschen: Er will die Fäden in der Hand halten, ER ist der Magier. Diese Karte ist die einzige aus der großen Arkana in der Legung und daher besonders wichtig, denn sie stellt die Hauptmotivation für sein Verhalten und seine Handlungen dar.

4) Was er hasst: 8 Stäbe (Schnelligkeit)
Jetzt wird es langsam kompliziert: Warum hasst er Schnelligkeit, wenn er doch den Magier liebt? Er mag das Spielerische des Magiers, doch er kommt nicht gut zurecht damit, wenn es hektisch wird, oder unübersichtlich, wenn Unvorhersehbarkeiten oder  plötzliche Gedankenblitze seine Pläne sprengen. Er ist kein Mensch von schnellen Entschlüssen. Lieber behält er die Dinge eine Weile in der Schwebe – so wie der Magier. Auch zeigt es wiederum: Sein Kopf steht vor seinem Gefühl. Um sich wirklich auf etwas einzulassen, braucht er Zeit.

5) Was er fürchtet: 8 Kelche (Trägheit)
Das Gegenteil von Hektik ist ihm allerdings auch nicht recht. Zeit spielt für diesen Mann eine große Rolle: Die Dinge in seiner persönlichen Zeit tun zu können, schnell oder langsam, ohne Druck von außen. Er muss Herr der Dinge sein. Auch braucht er viel Abwechslung, und er hat Angst davor, seine Gefühle nicht mehr zu spüren, leer zu werden, nicht nur privat, sondern vor allem auch beruflich, auf der Bühne.

6) Was er ersehnt: 9 Schwerter (Grausamkeit)
Eine solche Karte auf dieser Position scheint im ersten Augenblick falsch. Doch gerade deswegen gibt sie viel über den Fragenden preis: Schmerz ist hier fast ein guter Freund, so vertraut ist er. Der Fragende ist in der Vergangenheit häufig verletzt worden, und die Wunden bluten noch immer, dessen ist er sich sehr bewusst. Einen Teil der Verletzungen fügt er sich auch selber zu: Er kann sich mit Gedanken zerfleischen. Im Grunde sehnt er sich danach, dass die alten Wunden endlich für immer heilen, dass Blut trocknet und die Schwerter endlich schweigen. In Bezug auf Partnerschaft zeigt sich hier, dass der Musiker in Beziehungen aufgrund der alten Wunden Probleme hat, Gefühle wirklich an sich heranzulassen. Doch auch wenn er noch nicht weiß, wie – er möchte es endlich überwinden.